Tierversuche

Medikamentensuche durch "Docking"-Simulationen (Mapping Cancer Markers, FightAIDS@home, Smash Childhood Cancer, ...)
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Gromobir
XBOX360-Installer
XBOX360-Installer
Beiträge: 87
Registriert: 09.08.2013 14:29

Tierversuche

#1 Ungelesener Beitrag von Gromobir » 18.10.2013 16:31

Hallo Leute,
Ich habe hier mal eine Frage an die Leute, die in diesem Bereich beschäftigt sind und / oder Ahnung haben:
Ist es üblich, aufbauend auf die Ergebnisse eines DC-Projekts im Bereich der Medikamentensuche, Tierversuche folgen zu lassen?

Hintergrund der Frage ist, dass ich entschieden gegen jede unnötige Form von Tierversuchen bin und nur ungerne durch meine Beteiligung an DC-Projekten solchen Versuchen Vorschub leisten möchte. Ich hoffe, dass mir jemand hierzu eine gute Einschätzung geben kann. Gibt es vielleicht sogar DC-Projekte, die sich selbst dazu verpflichten keine Tierversuche durchzuführen?

Benutzeravatar
Dunuin
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 1743
Registriert: 23.03.2011 12:59
Wohnort: Hamburg

Re: Tierversuche

#2 Ungelesener Beitrag von Dunuin » 18.10.2013 16:37

Naja, da fallen denke ich alle Projekte raus die irgendwas an Medikamenten forschen.
Da muss man sich halt entscheiden ob lieber Menschen oder Tiere draufgehen sollen. Die Tierversuche werden ja nicht zum Spaß gemacht, sondern um mögliche Nebenwirklungen festzustellen, bevor die Medikamente an Menschen erprobt werden. Was passiert, wenn man da nicht genug testet, bevor man ein Medikament auf den Markt bringt, kann man ja heute bei den Kontagangeschädigten sehen.
Bild

Tim
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 901
Registriert: 05.04.2013 16:22
Wohnort: Hamburg

Re: Tierversuche

#3 Ungelesener Beitrag von Tim » 18.10.2013 16:39

Möglicherweise kann dir der Artikel weiterhelfen, auch wenn er sich nicht auf DC bezieht.
Chips statt Mäuse

Benutzeravatar
Gromobir
XBOX360-Installer
XBOX360-Installer
Beiträge: 87
Registriert: 09.08.2013 14:29

Re: Tierversuche

#4 Ungelesener Beitrag von Gromobir » 18.10.2013 16:54

Da muss man sich halt entscheiden ob lieber Menschen oder Tiere draufgehen sollen.
Eben nicht! Diesbezüglich empfehle ich die Lektüre dieser Broschüre [1] des Vereins "Ärzte gegen Tierversuche".
Was passiert, wenn man da nicht genug testet, bevor man ein Medikament auf den Markt bringt, kann man ja heute bei den Kontagangeschädigten sehen.
Hast du gewusst, dass Contergan bei Mäusen oder Ratten gar nicht zu Missbildungen führt?

@Tim: Danke, das werde ich mir mal zu Gemüte führen.

[1]: http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de ... testen.pdf

Tim
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 901
Registriert: 05.04.2013 16:22
Wohnort: Hamburg

Re: Tierversuche

#5 Ungelesener Beitrag von Tim » 18.10.2013 17:00

Gromobir hat geschrieben:
Dunuin hat geschrieben:Da muss man sich halt entscheiden ob lieber Menschen oder Tiere draufgehen sollen.
Was passiert, wenn man da nicht genug testet, bevor man ein Medikament auf den Markt bringt, kann man ja heute bei den Kontagangeschädigten sehen.
Hast du gewusst, dass Contergan bei Mäusen oder Ratten gar nicht zu Missbildungen führt?
Der Fall wird auch angeführt in dem von mir verlinkten Artikel?

Benutzeravatar
Dunuin
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 1743
Registriert: 23.03.2011 12:59
Wohnort: Hamburg

Re: Tierversuche

#6 Ungelesener Beitrag von Dunuin » 18.10.2013 17:07

Hast du gewusst, dass Contergan bei Mäusen oder Ratten gar nicht zu Missbildungen führt?
Aber stell dir mal vor wie groß das Geschrei gewesen wäre, wenn die keine Versuche an Tieren gemacht hätten und vielleicht eine Tierart darauf angesprungen wäre.
Und bei vielen Dingen kommt man glaube ich auch nicht um die Tierversuche drum herum, weil das Modell einfach zu viele Wechselwirkungen haben müsste.
Stammzellenforschung wäre da noch eine Option, aber das ist ja auch wieder verhasste Grauzone.
Bild

Benutzeravatar
Gromobir
XBOX360-Installer
XBOX360-Installer
Beiträge: 87
Registriert: 09.08.2013 14:29

Re: Tierversuche

#7 Ungelesener Beitrag von Gromobir » 18.10.2013 17:10

@Tim: Stimmt, ich habe erst gepostet bevor ich den, von dir verlinkten, Artikel gelesen habe. Dieser ist übrigens wirklich sehr interessant. Ich hoffe, dass da in den nächsten Jahren viel Neues auf uns zukommt und schon bald alle Tierversuche durch alternative Methoden ersetzt werden können.
Sehr gut finde ich auch das Folgende:
Einen Meilenstein haben Tierversuchsgegner bereits erreicht: Seit 11. März 2013 ist in der Europäischen Union der Verkauf von Kosmetika verboten, die an Tieren getestet wurden.
Das war ja wirklich mal höchste Eisenbahn, dass dieser Unsinn mit den Kosmetika ein Ende hat.
Und bei vielen Dingen kommt man glaube ich auch nicht um die Tierversuche drum herum, weil das Modell einfach zu viele Wechselwirkungen haben müsste.
In obigem Artikel sind einige Beispiele aufgeführt wie man solche Wechselwirkungen simulieren könnte. Es bleibt festzuhalten, dass der Mensch eben keine Maus ist und die Organismen einfach zu unterschiedlich sind um verwertbare Ergebnisse aus solchen Versuchen ziehen zu können.
Stammzellenforschung wäre da noch eine Option, aber das ist ja auch wieder verhasste Grauzone.
In Deutschland leider ja aber das hat auch ein bisschen etwas mit unserer Geschichte zu tun. *seufz*

Benutzeravatar
ClaudiusD
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 1292
Registriert: 29.01.2013 16:52
Wohnort: Wien

Re: Tierversuche

#8 Ungelesener Beitrag von ClaudiusD » 18.10.2013 17:40

Ich selbst bin seit 9 Jahren Vegetarier (mit vielen veganen Jahren) - halte mir aber trotzdem zum Beispiel zwei fleischfressende Katzen. Für mich gibt es beim Tierschutz kein schwarz/weiß-Denken. In bestimmten Momenten sehe ich die Ausbeutung/Schlachtung/Missbrauch von Tieren tatsächlich als sinnvoll an. Dies ist zB bei Tierversuchen, WENN vorher alle anderen Versuche erfolgt sind und das Medikament kurz vor "Marktreife" steht.
Was ich absolut nicht abkann sind die massenhaften überflüssigen Versuche (Vivisektion, Lehrstunden, sinnlose Versuche). Wo meiner Meinung nach deutlich (und zwar wirklich deutlich) mehr angepackt werden muss ist beim Tierkonsum.

Wie sagte Martin Balluch vom Wiener VGT (der unschuldig fast ein Jahr im Knast war...Lobbyisten habens geschafft):

Wir fordern als radikalster Verein Österreichs doch garnicht, dass jeder vegan wird und keiner Pelz trägt und keine Tiere der Wissenschaft zum Opfer fallen - wir sind schon froh, wenn die Mastschweine wenigstens etwas Stroh bekommen. (Im Endeffekt hat die gesamte Aktion zu fast nix weiteren geführt, außer, dass das "Rechtssystem" in Österreich seither nicht mehr für ernst genommen wird.)

LG
Claudius
Bild

Benutzeravatar
Michael H.W. Weber
Vereinsvorstand
Vereinsvorstand
Beiträge: 20599
Registriert: 07.01.2002 01:00
Wohnort: Marpurk
Kontaktdaten:

Re: Tierversuche

#9 Ungelesener Beitrag von Michael H.W. Weber » 19.10.2013 11:05

Gromobir hat geschrieben:Ist es üblich, aufbauend auf die Ergebnisse eines DC-Projekts im Bereich der Medikamentensuche, Tierversuche folgen zu lassen?
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es gibt gesetzliche Vorschriften, gemäß derer vorzugehen ist, wenn ein Medikament auf den Markt gebracht werden soll (Stichwort: Klinische Studie in verschiedenen Phasen). Man müßte diese Gesetze ändern, wenn man unsinnigen Tierversuchen entgegen treten wollte.

Mit DC hat die Problematik also nicht das Geringste zu tun.

Michael.
Fördern, kooperieren und konstruieren statt fordern, konkurrieren und konsumieren.

http://signature.statseb.fr I: Kaputte Seite A
http://signature.statseb.fr II: Kaputte Seite B

Bild Bild Bild

Benutzeravatar
Gromobir
XBOX360-Installer
XBOX360-Installer
Beiträge: 87
Registriert: 09.08.2013 14:29

Re: Tierversuche

#10 Ungelesener Beitrag von Gromobir » 20.10.2013 13:46

Für mich gibt es beim Tierschutz kein schwarz/weiß-Denken. In bestimmten Momenten sehe ich die Ausbeutung/Schlachtung/Missbrauch von Tieren tatsächlich als sinnvoll an.
Du bist Vegetarier und sieht die Ausbeutung und Misshandlung von Tieren in manchen Fällen als sinnvoll an? Das musst du mir jetzt aber wirklich mal erklären.
Dies ist zB bei Tierversuchen, WENN vorher alle anderen Versuche erfolgt sind und das Medikament kurz vor "Marktreife" steht.
In dem Fall ist es dann ja kein Missbrauch von Tieren mehr, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Organismus des Tieres mit dem des Menschen überhaupt vergleichbar ist. Leider ist das zum Beispiel bei Mäusen absolut nicht der Fall.
Mit DC hat die Problematik also nicht das Geringste zu tun.
Naja. Für mich als Laie steht das Bereitstellen der Rohdaten durch DC an erster Stelle der Erstellung eines neuen Medikaments. Die Frage war einfach ob darauf zwangsläufig Tierversuche folgen müssen oder ob diese auch umgangen werden können.

Benutzeravatar
ClaudiusD
Vereinsmitglied
Vereinsmitglied
Beiträge: 1292
Registriert: 29.01.2013 16:52
Wohnort: Wien

Re: Tierversuche

#11 Ungelesener Beitrag von ClaudiusD » 20.10.2013 16:15

Missbrauch von Tieren fängt beim Halten (Haustiere, Nutztiere) geht über den Nutzen (Milch, Eier, Wolle) bis hin zum Töten für bestimmte Dinge (Fleisch, Wissenschaft). Mein Ziel ist es nicht, alle Tiere wieder in die Natur zu lassen - sondern eine Tierethik aufzubauen, die der menschlichen Ethik ähnlich ist.
Ich MUSS (es gibt kaum eine andere Möglichkeit) zum Beispiel arbeiten gehen - bin also im Endeffekt versklavt. Dennoch darf (theoretisch) man mir kein Leid zufügen - das ist menschliche Ethik. 10h arbeiten = ok, Foltern = nicht ok.
Das möchte ich bei Tieren auch. Für mich bedeutet das: Vernünftige Nutztierhaltung ohne Schlachtung für Wolle/Eier/Milch (wobei bei Eier noch die Problematik der männlichen Eintagsküken wäre...). Und nur in Ausnahmefällen darf ein Tier getötet werden, wenn damit nachweislich ein echter Nutzen für die Menschheit bei rauskommt (Wissenschaft, deutlich strenger als heute). Was nicht geht ist aus Gaumenkitzelfreuden Tiere zu töten.

Die tierethische Diskussion gibts seit ca 1970 - vorher waren es meist religiöse Gründe.

Die Möglichkeit, dass tatsächlich die Daten von DC eines Tages zu einem Medikament führen, wo Tierversuche gemacht werden, ist vorhanden. Zurzeit ist die politische und ethische Diskussion auf einem Anfangsstadium (ähnlich der Apartheid von annodazumals). Ich gestehe, dass ich NICHT davon ausgehe, dass die Tierversuche in wissenschaftlichen Laboratorien momentan a: sinnvoll, b: ethisch, c: vertretbar sind (vielleicht 0,2%).
Sobald sich das endlich mal ändert, wird vielleicht auch mit Bedacht geforscht.

Bis dato sehe ich aber die Teilnahme bei DC als wenig gefährlich für die Tierwelt, aber sehr positiv für die Menschheit an.

Für Tierethik ist das aber eigentlich nicht das optimale Forum - des Weiteren sollten solche Dinge vorrangig in kleiner Gruppe besprochen werden. Das Thema neigt zu enormen Stimmungsschwankungen :D
Bild

Benutzeravatar
Gromobir
XBOX360-Installer
XBOX360-Installer
Beiträge: 87
Registriert: 09.08.2013 14:29

Re: Tierversuche

#12 Ungelesener Beitrag von Gromobir » 20.10.2013 16:28

Für Tierethik ist das aber eigentlich nicht das optimale Forum
Das sehe ich auch so. Deswegen belasse ich diese Diskussion jetzt mal hierbei, damit wir nicht zu weit abschweifen. Dennoch: Interessante Gedanken.
Bis dato sehe ich aber die Teilnahme bei DC als wenig gefährlich für die Tierwelt, aber sehr positiv für die Menschheit an.
Naja, alles was zu Tierversuchen führt ist ja erst mal gefährlich für die Tiere. Gibt es denn vielleicht schon Beispiele von erfolgreichen Projekten, bei denen alle Stadien der Forschung dokumentiert wurden? Oder ist bisher gar noch kein DC-Projekt überhaupt in einem Stadium angekommen, in welchem Tierversuche vonnöten wären?
Mir ist es einfach nur wichtig transparent nachvollziehen zu können, was mit den errechneten Daten passiert und welche Konsequenzen DC im Endeffekt hat.

Antworten

Zurück zu „Medikamentensuche“