Linux oder Windows?

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nico
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Re: Linux oder Windows?

#49 Ungelesener Beitrag von nico » 23.06.2015 14:03

Kolossus hat geschrieben: Genauso Piepegal ist es dem Astronomischen Institut von Sternenhausen, mit welchem System der Supercompi dort läuft, denn das Programm für den Rechner ist eigens für das Institut geschrieben worden, genauso wie die Software für die Rechner von Silikonvalley, die Ihr Filme In ganzen Phalanxen von Rechnern rendern lassen. Unsere Uni Köln hat auch entsprechende Spezialprogramme für ihre Atomforschungen. In allen Fällen ist der Unterbau (Unix,Linux, Hamsterrad) völlig uninteressant, es kommt auf die Anwendung an.

Software wird immer Adressatengerecht entwickelt und hat nichts mit dem Betriebsystem zu tun. Das der normalsterbliche Heimanwender in den seltensten Fällen Programme braucht, die Pulsare in der rechten Ecke der Milchstraße nachweisen, macht die Entwicklung einer solchen Software unter Windows überflüssig.
Äh... nein :)
1) Dem "Astronomischen Institut von Sternenhausen" kann das Betriebssystems des Supercomputers nicht egal sein, denn es hat genau zwei Anforderungen an dieses: Das Programm, was auf dem Supercomputer laufen soll, muss mit dem Betriebssystem klar kommen und das Betriebssystem muss mit der Hardware klar kommen. Da die Hardware alle ~5-10 Jahre aus Energieeffizienz- und Leistungsgründen erneuert wird, braucht man auch ein aktuelles Betriebssystem, womit das Programm aber auch noch klar kommt.

2) Das "Astronomischen Institut von Sternenhausen" nutzt mit Sicherheit nicht nur eigene Software sondern auch Software von anderen Astronomischen Instituten (Arbeitsteilung spart Ressourcen). Ich seh das bei meiner täglichen Arbeit: Da werden von unterschiedlichsten Unis und Instituten immer wieder die gleichen Simulations / Berechnungsprogramme nachgefragt. Die häufigsten sind OpenFOAM (Strömungsmechanik), VASP (Quantenmechanik) und Gromacs (Biologie).
Auch Innerhalb der europäischen Wetterinstitute gibt es zwar unterschiedliche Software aber mehrere Länder teilen die gleiche - einfach auch aus dem Grund, dass sie nah beieinander liegen und damit die Übernahme von Daten einfacher wird....
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Re: Linux oder Windows?

#50 Ungelesener Beitrag von Myrmidon » 23.06.2015 14:15

Dj Ninja hat geschrieben:Ansonsten versägt ein ordentlicher Gamer-PC eine Linsucks-Superrechner-Node wohl locker.
Jo....wer hat den Größten...

Das beide Systeme Sinn machen sieht man allein daran, dass Menschen in irgend einer Weise mit Windows oder Linux Geld verdienen. Wäre da eines von Beiden überflüssig würde es kurz oder lang ven selbst in der Versenkung verschwinden.
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nico
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Re: Linux oder Windows?

#51 Ungelesener Beitrag von nico » 23.06.2015 14:33

Dj Ninja hat geschrieben:Wie oft werden bei den GPU-gepimpten Supercomputern eigentlich die GPUs geupdatet? Ich würde sagen niemals. Einmal zusammengebaut und fertig. Der normale Gamer, der etwas auf sich hält, updatet einmal im Jahr seine Grafikkarte, inkl. neuer Treiber und allem was noch so dazugehört.

Ergo bleibt Linsucks nur die große Anzahl an GPUs, was einen Vorteil bringt. Ansonsten versägt ein ordentlicher Gamer-PC eine Linsucks-Superrechner-Node wohl locker.

Du stellst eine Behauptung auf und schlussfolgerst aus dieser Behauptung eine Annahme? Hmm kein guter Argumentationsstiel...

Hast du mal eine Quelle wieviel % Performance so ein BIOS/Treiberupdate bei BOINC-Applikationen bringen?

Ich würde behaupten, der "normale" also "casual" Gamer kauft sich eine Grafikkarte und updatet seine Treiber, wenn das Spiel sagt, es ist soweit - an das BIOS wagen sich doch nur die Hardcoregamer, oder? Habe dazu aber leider keine Satistik aber vielleicht kann man das bei Steam auslesen?

Wie oft bei Supercomputern geupdatet wird hängt natürlich vom Betreiber ab. Aber wenn im Changelog steht, dass das Update einen Geschwindigkeitsvorteil von 10% bringt, updatet jeder Admin, der was auf sich hält, denn am Ende sind es die Nutzer die den Admin "bezahlen". Das gleiche gilt für BIOS-Updates.

Allerdings bringt so ein Update in der Realität meist nicht wirklich viel bei der Rechenperformance.

Die "Linsucks-Superrechner-Node" aus dem oben erwähnten GSI Helmholtzzentrum Cluster sind ASUS ESC4000 G2S/FDR mit 2 Intel Xeon E5-2690v2 (je 10 Cores, 3GHz), 256GB DDR3-1866 Speicher und 4 AMD FirePro 9150. Eine CPU schafft 3GHz*10Cores*8Flops = 240 GFlops, eine GPU 2530 GFlop (jeweils Double Precission). Ein Knoten also theoretisch 10TFlops - und braucht dafür aber auch ~1600W.
Der Rechner eines "normalen" Gamers wird mit aktueller Haswell CPU bei 3,2GHz*4Cores*16Flops=204GFlops und NVidia GTX Titan (GK110) mit 1,2TFlop (jeweils Double Precission) auf ~1,4TFlops kommen - bei ~500-600W Verbrauch.

Soviel also zur reinen Performance. Im Preis/Leistungsverhältnis hat der Gamerrechner natürlich enorme Vorteile (komplett unabhängig vom Betriebssystem) - und daher ist der auch für BOINC viel besser geeignet. Aber in der Welt der rechnenden Wissenschaft gibt es leider Probleme, für die man viele mit Hochgeschwindigkeitsnetzen (GSI: "FDR" Infiniband) verbundene Rechner benötigt.
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Re: Linux oder Windows?

#52 Ungelesener Beitrag von Myrmidon » 23.06.2015 14:44

nico hat geschrieben:Aber in der Welt der rechnenden Wissenschaft gibt es leider Probleme, für die man viele mit Hochgeschwindigkeitsnetzen (GSI: "FDR" Infiniband) verbundene Rechner benötigt.
Wenn du ehrlich bist, müsste da ein zum Glück stehen. Wenn sich die Rechenleistung nicht so gut parallelisieren liese sähe es ganz schön düster aus. :lol: :wink:
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Re: Linux oder Windows?

#53 Ungelesener Beitrag von nico » 23.06.2015 15:14

Ja stimmt, je nachdem, wie man es sieht. :)
Ich meinte damit: Leider reichen (hochgezüchtete) BOINC-Desktoprechner nicht aus, um alle denkbaren wissenschaftlichen Probleme in der Lebenszeit eines Forschers zu lösen. Wenn es so wäre, hätte ich viel Freizeit ;)
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Re: Linux oder Windows?

#54 Ungelesener Beitrag von Kolossus » 23.06.2015 15:46

Hallo Nico,
ich habe gerade mit großem Interesse Deine Ausführungen gelesen und fand diese sehr informativ. Danke dafür!

Ein Satz in Deinem letzten Beitrag macht mich nachdenklich:
Leider reichen (hochgezüchtete) BOINC-Desktoprechner nicht aus, um alle denkbaren wissenschaftlichen Probleme in der Lebenszeit eines Forschers zu lösen.

Kannst Du kurz erläutern, was Du damit sagen möchtest? Heißt das, das selbst die geballte weltweite Rechenkraft aller Boincer nicht wirklich zur Problemlösung beitragen?
Gruß Harald

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Re: Linux oder Windows?

#55 Ungelesener Beitrag von nico » 23.06.2015 16:41

Nein! :)
Distributed Computing bzw. BOINC leistet einen bedeutenden Anteil!. Aber wie gesagt, gibt es wissenschaftliche Probleme, die man nicht wie bei BOINC üblich, in einzelne Pakete aufteilen kann, die unabhängig voneinander berechnet werden können.
Die Probleme, die man mit BOINC lösen kann sind "Embarrassingly Parallel" - also extrem leicht parallelisierbar (https://en.wikipedia.org/wiki/Embarrassingly_parallel).

Ein nicht "Embarrassingly Parallel" Problem ist beispielsweise die Wettervorhersage. Hier hilft BOINC nicht, da ein einzelner Rechner zu langsam ist um bspw das Wetter für ganz Deutschland für morgen zu berechnen (der bräuchte eher Wochen). Man kann aber auch nicht einfach viele BOINC Rechner über das Internet miteinander an Deutschland zur selben Zeit rechnen lassen, da jeder Rechner die Daten seiner "Nachbarn" braucht, um sein eigenes Stück von Deutschland zu berechnen. Diese Daten sind meist a) groß und b) müssen innerhalb von µs zur Verfügung stehen - über das Internet nicht machbar. Dafür benötigt es dann Supercomputer.
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Re: Linux oder Windows?

#56 Ungelesener Beitrag von Kolossus » 23.06.2015 16:54

Aaah, verstanden! :) Danke!
Gruß Harald

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Re: Linux oder Windows?

#57 Ungelesener Beitrag von yoyo » 24.06.2015 07:45

Es ist schon richtig, dass Software für einen bestimmten Zweck entwickelt wird. Aber Software (zumindest die die in meiner Firma entwickelt wird) hat auch sogenannte non-funktionale Eigenschaften zu erfüllen, wie Hochverfügbarkeit, Realtime, Ausfallsicher.
Für sowas ist Windows einfach nicht geeignet.
Unsere Systeme laufen jahrelang ohne reboot. Wir sichern unseren Kunden zu, dass die Systeme nicht länger als 15 Minuten ausfallen im Jahr.
AUch kann die Software nicht einfach mal einige Sekunden stehen bleiben, weil das Betriebssystem mal was anderes macht oder weil Java auf Garbage Collection Suche geht, dann bekommst Du nämlich keinen Anruf mit deinem Handy zustande ;)

Da ist uns schon wichtig welches Betriebssystem darunter liegt und das ist bestimmt nicht Windows sondern was Unix ähnliches, z.B. Solaris oder RedHat Linux.
HILF mit im Rechenkraft-WiKi, dies gibts zu tun.
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Re: Linux oder Windows?

#58 Ungelesener Beitrag von Kolossus » 24.06.2015 10:07

OK, an der Stelle muß Windows wirklich passen. Jahrelanges Nonstoplaufen ist damit einfach nicht zu realisieren, spätestens nach ein paar Tagen hakelt es an irgendeiner Ecke. Ob es daran liegt, das verschiedene Programme im Laufe der Zeit ausgeführt werden, oder sonstige Ursachen, kann ich nicht sagen.

Wenn unsere Taskforce wieder eine oder mehrere Wochen für ein Projekt rechnet, ist mir das auch aufgefallen, das nach gewisser Zeit ein Reboot nötig war, oder bei bestimmten Projekten sogar plötzlich ein sog. BlueScreen auftauchte. (Ich habe da Poem in unliebsamer Erinnerung, bei den neueren WUs ist das allerdings nicht mehr) Gut, der Heimanwender startet einfach neu, ein Geschäftskunde von Dir könnte an der Stelle schon das Wort "unzuverlässig" gebrauchen.
Gruß Harald

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Re: Linux oder Windows?

#59 Ungelesener Beitrag von Dj Ninja » 26.06.2015 01:55

Kann ich so nicht bestätigen. Ich hatte Windoofs Server am laufen, die mehrere Jahre ohne ungeplanten Reboot durchgehalten haben. Kurze Ausfälle wegen kritischen Updates hast Du überall. Allerdings steckte in den Rechnern auch nicht die neueste Graka, keine extravagante Software und keine Hardwarespielchen wie Übertakten. Mit einer Kiste hab ich sogar nebenher Boinc gerechnet weil ich es schade um die Leerlaufzeit fand - kein Problem.

Mein Laptop (Win7-64) läuft nun bereits seit dem 12.06. ohne Problem. Und da hab ich es nur heruntergefahren, weil sich die CPU sehr schlecht im laufenden Betrieb wechseln läßt. Meine Hauptkiste (good old WinXP32), auch für Spiele benutzt, seit dem 08.06. up, davor heruntergefahren wegen der warmen Tage. Also kommt mir nicht mit "geht nicht".

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Re: Linux oder Windows?

#60 Ungelesener Beitrag von Myrmidon » 14.09.2015 11:22

Ich hatte vor kurzen ein Erlebnis (positiv wie negativ), was mich dazu bewogen hat, nochmal meine Meinung zum Thema Linux vs Windows abzugeben. Bisher war ich immer der Überzeugung, dass Windows für das Wiedergeben medialer Inhalte (speziell Streaming-Dienste) die wesentlich bessere Wahl ist. Deshalb war ich begeistert, dass ein ausrangiertes Tablet von Arbeit (Acer Iconia W500) in Zukunft als kleiner Media-PC an meinem TV hängen sollte. Die einzigen Aufgaben für dieses kleine Teil sind RTL now (für meine Frau ;-)) und maxdome ..und natürlich Boinc :-). So weit so gut. Nun hatte jedoch Win 7 große Probleme die Video-Beschleunigung der internen C60 GPU an den Start zu bekommen. Zumindest für Videos, welche auf Flash basieren. RTL-now ging gar nicht....Stottern ohne gleichen. Maxdome ging mehr schlecht als recht. Nach vielen erfolglosen Aktionen hatt ich am Wochenende dermaßen die Schn... voll, dass ich vor lauter Wut einfach mal Ubuntu probiert habe. Hatte mich lange davor gescheut, da man im Netz immer wieder ließt, dass die von mir gestellten Anforderungen öfters Probleme machen bzw. gar nicht möglich sind.
Was soll ich sagen....ich musste zwar viel einstellen, installieren und konfigurieren, jedoch waren die Wege im Ubuntu-Wiki vollumfänglich beschrieben und haben auf Anhieb funktioniert. Videobeschleunigung in Gang gebracht....geht
Google Chrom installiert (wohl zur Zeit einziger browser mit html5 für maxdome)...geht
flash installiert...geht
drm (für rtlnow über flash) installiert...geht
Ich bin absolut begeistert und kann es noch gar nicht richtig glauben. Nun fehlt nur noch das wichtigste....der Boinc-client.
:roll2:
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